David Denkt


War damals alles besser?


Die Lesedauer beträgt 14 Minuten.


War früher alles wirklich besser?


Jeder hat den Satz “Früher war alles besser” gehört und vielleicht auch schonmal gesagt, doch was steckt dahinter?


Zuallererst möchte ich auf Fakten gucken um zu sehen, ob es wirklich so ist, dass alles besser gewesen hat.


Was ist super schlimm?

Genau, Kriege also schauen wir uns kurz die Kriege an. Natürlich können wir jetzt nicht sagen das 21. Jahrhundert ist viel besser denn es hat viel weniger Kriege. Das 21. Jahrhundert ist halt nicht so alt. Deshalb vergleichen wir mal 1900 bis 1920 mit 2000 bis 2020 und können sehen, dass wir damals 33 Kriege in 20 Jahren hatten. Jetzt haben wir 29 Kriege auf der Welt. Also ist es heute bisschen besser. Für uns im Westen ist es sogar sehr viel besser geworden.


Ist es aber richtig allein die Anzahl der Kriege zu betrachten?

Nein!


Was sagt die Anzahl aus?

Fast nichts, denn 100 Kriege mit 10 Toten können harmloser sein als 1 Krieg mit Millionen Toten.



Quelle: Amnesty International

 Wenn wir uns diese Grafik ansehen können wir sehen, dass die Kriegsopfer Zahl stark gesunken ist. Das ist ein super großes Indiz für eine bessere Welt, oder?



Was ist auch noch schlimm?

Genau, Morde und dazu kann man sich eine Statistik des BKA anschauen. Den Link findet ihr unten in den Quellen. In der Quelle kann man sehr gut sehen, dass die absolute Anzahl an Straftaten von 2018 bis 2019 um 119.119 Straftaten gesunken ist. Dies macht eine Veränderung von 2,1% aller Straftaten aus. Die meisten schweren Straftaten wie Morde gehen sogar um 20 Prozent zurück. Jedoch steigt die Zahl bei Kinderpornografie und Drogen Kriminalität an.


Was ist mit Todesstrafen?

Okay, hier müssen wir sehr auf die Richtigkeit der Daten achten. Viele Länder zählen die Todeszahlen nicht oder verschleiern diese. Die USA sammeln aber die Daten seit 1650 und ist laut Amnesty International eine gute Quelle.





Wie wir sehen ist diese Zahl auch super nach unten gegangen. Die Welt ist somit besser geworden.


Hier noch ein paar Grafiken die verdeutlichen wie gut es uns geht.


Es geht uns statistisch besser. Also rein von den Fakten her.


Doch was ist mit dem Coronavirus?


Derzeit gibt es 127.706 Tote stand 15.04.2020 13:53 Uhr. Schauen wir uns andere Epidemien an. 1918-1920 A/H1N1 mit ca. 50 Millionen Toten, die Pest 1346–1353 ca. 25 Millionen Tote, 1957/1958 A/H2N2 mit ca. 1 -2 Millionen Toten, 1968–1970 A/H3N2 ca. 1 Million Tote oder 1889–1890 A/H3N8 mit ca. 1 Million Toten.


Damit möchte ich nicht sagen, dass der Coronavirus nicht so schlimm ist, sondern sagen, dass es früher auch schon Pandemien gab.


Das sagen die Fakten, doch warum sagen viele trotzdem früher war alles besser?


Dazu betrachten wir ein wenig die Psychologie


Um es genauer zu sagen die Nostalgie Theorie. Doch was ist die Nostalgie?


Wikipedia sagt: “Nostalgie bezeichnet eine sehnsuchtsvolle Hinwendung zu vergangenen Gegenständen oder Praktiken.


Nein, Wikipedia ist nicht meine Quelle, sondern das “Journal of Experimental Social Psychology”, die Quelle ist unten vermerkt.


Was sagen diese Studien?

Ab dem Alter von 40 Jahren neigen Menschen zu sagen früher war alles besser.


Wieso?

Laut den Forschern sind die Lebensjahre 15 bis 25 besonders prägend. Sie prägen unsere ersten Erfahrungen Richtung erwachsen werden. Uns prägen Ereignisse: der erste Job, der erste Kuss, die erste Wahl…

All dies erleben wir in dieser Zeit. Außerdem wird man noch mit 18 unabhängig und frei.

Dies sind Erinnerungen, die wir sehr gut in Erinnerung behält.


Deshalb denken wir ab 40 Jahren, dass früher alles besser war.

Kleiner Versuch mit den jüngeren, schau dir alte Fotos an und stöber bisschen in deiner Galerie. War damals die Zeit besser als gerade?


Noch eine mögliche Theorie:


Der Psychologe Rüdiger Pohl hat lange über das Gedächtnis und die Fehler geforscht. Dazu hat er das Buch “Das autobiografische Gedächtnis. Die Psychologie unserer Lebensgeschichte” geschrieben.


Pohl sagt, dass jeder sich die schlechten Zeiten gut redet und immer etwas Gutes darin findet. Die Schulzeit zum Moment Fluch für viele Schüler. Nach dieser Zeit denkt man sich, eigentlich war es nicht so schlimm. Jedoch weiß man gleichzeitig auch, dass man nicht jedes wissen braucht.


Wenn wir jemanden ein Ereignis sagen, bilden sich Abermillionen von neuen Synapsen. Hierbei bilden wir neue Erinnerungen, die gar nicht so stattgefunden haben. Laut Pohl geht es so weit, dass man bei Straftaten nicht mehr sicher sein kann was ein Zeuge gesehen hat. Die Psychologin Julia Shaw ist sogar so weit gegangen und hat Zeugen für eine Studie versucht zu manipulieren. Aus einer Straftat, die sie gesehen haben hat Shaw angefangen zu erzählen, dass andere ihr ein falsches gesehen erzählt haben. Sie bot die Zeugen die Augen zu schließen und sich zu erinnern was genau in einer Situation passiert ist, die es nicht gab. Am Anfang konnten die Probanden sich diese Situation nicht perfekt vorstellen. Diese hat ja auch nicht stattgefunden. Später jedoch wussten die Zeugen nicht mehr was Fantasie und was Realität war und einige dachten plötzlich sie haben die Straftat begangen. Das Gehirn von ihnen hat versucht aus einer schlechten Situation, eine gute spanende zu machen und bei jedem erinnern wurde sie verrückter und anders. Dies ist ein Grund warum Polizisten eine Zeugenaufnahme so schnell wie möglich machen. Somit wird vermieden, dass diese Situation schon öfter erzählt wurde.


Pohl sagt aber es ist sehr gut, dass wir so Manipulierbar sind. Seine Begründung “Wir erinnern uns oft falsch, und oft geht's in eine positive Richtung”. Da depressive Menschen alles negativ sehen aber durch dieses Phänomen, sei alles besser. Dazu sagt Pohl: “Man könnte sogar sagen: Depressive Menschen haben ein realistischeres Bild von der Vergangenheit.”.


Daher findet Pohl, dass dies ein guter Schutzmechanismus für uns ist, “Vielleicht schützt uns diese Verzerrung ins Positive davor, an der Realität zu verzweifeln”.


Laut Psychologen bestehen Beziehungen, die sich trennen und wieder zusammen kommen und sich wieder trennen genau aus diesem Phänomen. Man trennt sich aus einem richtigen Grund. Jedoch erinnert man sich an die guten Zeiten wieder und würde wieder eine Beziehung eingehen. Was man jedoch vergisst ist, dass die Trennung einen Grund hatte. Meistens redet man sich auch diesen Grund gut.


Um genau so ein Phänomen zu hemmen, sollte man Tagebücher schreiben. Wenn man wieder bei dem Punkt angelangt ist, die Vergangenheit zu beurteilen hat man seine Meinung aus dieser Position heraus und welche Meinung kann besser sein als eine in der Zeit selbst?


Natürlich sind diese zwei Theorien nicht, die einzigen aber sie sind die, die mich selbst am meisten überzeugt haben, da sie von sehr guten wissenschaftlichen Studien unterstützt werden. Hier alle Studien zu nennen würde den Umfang deutlich übertreffen und es ist auch nicht zwingend notwendig, wenn man sieht, dass die Fakten für eine bessere Zukunft sprechen.


Quelle:

https://www.amnesty.ch/de/ueber-amnesty/publikationen/magazin-amnesty/2015-4/friedensprophet-mit-taschenrechner

http://www.regis-net.de/

spiegel.de/spiegel/print/d-14347621.html

https://hiik.de/

https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2019/BKATabellen/Faelle/BKA-F-01-T01-Fallentwicklung_excel.xlsx?__blob=publicationFile&v=2

https://www.bka.de/

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0022103197913330

https://de.in-mind.org/article/macht-uns-retro-gluecklich-ueber-die-bedeutung-von-nostalgie-fuer-das-psychische

https://ze.tt/darum-glauben-wir-staendig-dass-frueher-alles-besser-war/

15. April 2020, David


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Kannst du aber auch frei lassen wenn dieser nicht genannt werden soll

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